Durchhaltevermögen

Heute kann ich ein neues Kapitel von unserer Amerikareise im Sommer 2005 präsentieren. Diese Videodokumentation ist das mit Abstand längste Projekt, in dem ich bisher gearbeitet habe. Schon im Herbst nach der Reise haben wir mit dem Videoschnitt angefangen. Seit dem ist viel passiert. Präsidenten wurden abgewählt. Diktaturen gestürzt. Neue Technologien wurden entwickelt. Smartphones, High Definition, 3D. Ja auch was mein Leben betrifft waren die letzten 5 Jahre sehr ereignisreich (und das ist auch gut so). Hier ist also die 3. Folge von One Way Trip to Hell and Back, in glorious SDTV:

Diese Folge ist in einem Zeitraum von 28 Monaten entstanden. Mir ist da viel dazwischen gekommen, denn an Arbeitszeit stecken nur 40 Stunden drin 😀 Begonnen haben wir im Februar 2010 mit den Aufnahmen der Sprecherstimmen und Sichtung des Videomaterials. Danach war ich ein halbes Jahr in Frankfurt, dann das 7. Semester Hagenberg. AnimationMentor ab März letzten Jahres. Aber im August hab ich dann endlich weiter geschnitten! Der letzte Motivationsschub kam diesen März und sollte andauern: Pünktlich zum 50er meines Vaters wurde diese heiß erwartete Folge fertig!

Development Hell vom feinsten also. Mit so vielen Altlasten, eigenen Erwartungen und dem riesigen Umfang des Projekts zurecht zu kommen, war nicht einfach. Trotz allem ist mir One Way Trip to Hell and Back sehr wichtig. Diese spannende Reise bietet immer noch Stoff um Geschichten zu erzählen. Es war ein echtes Abenteuer! Durch die Arbeit an der Dokumentation habe ich wahnsinnig viel über Film, Schnitt, Kamera, Ton und Animation gelernt. Die Qualität hat sich immer weiter gesteigert und gerade das Intro hat mich zu Vorstellungsgesprächen an FHs und Firmen gebracht. Es hat sicher einen Teil dazu beigetragen, dass ich schließlich den Weg zur Spezialisierung auf Character Animation gehen würde.

Trotzdem, warum nach so langer Zeit noch weitermachen? Ist doch trotzdem irre, oder? Naja, ausschlaggebend ist für mich dann immer, ob außer mir noch irgendwer daran interessiert ist 😉 Tatsächlich wurde immer wieder nach einer Fortsetzung gefragt. Es gibt sogar eine Statistik, die wachsendes Interesse belegt…

Als ich mich also dieses Jahr wieder an die Arbeit machte, gab es einige Schwierigkeiten. Natürlich hatte ich schon lange nicht mehr Premiere Pro, After Effects und Illustrator in der Version CS3 installiert. Das Premiere-Projekte konnte upgegradet werden, aber in After Effects wurde es zur aufwändigen Restaurierungsarbeit, die 3D Szene der Straßenkarte richtig angezeigt zu bekommen. Die verschiedenen Illustrator-Vektor-Ebenen waren verschoben etc. Ich hab zur besseren Übersichtlichkeit die großen Projektdateien ausgemistet, damit nur mehr die Sequenzen für die 3. Folge übrig waren. Hat zum Schluss dann wieder alles funktioniert.

Kopfschmerzen bereitet mir nur mehr das Intro selbst, das Abhängigkeiten zu vielen Illustrator-Files und Plugins besitzt. Für jede Folge hat das Intro einen neuen Schluss mit der bisherigen Route bekommen, das heißt spätestens für die 4. Folge muss ich da wieder eintauchen. Aber da es ein Publikumsfavorit ist, tu ich das gerne. Kleines technisches Detail: Die Animationen der Straßenkarten, Location-Namen etc. laufen jetzt 2 Mal so flüssig wie bisher, zumindest wenn man die Folge auf DVD schaut. Dort werden nämlich die Halbbilder genutzt.

Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob mir Videoschnitt noch Spaß machen würde. Es war ein typischer Fall von “lang nicht gemacht, ist deshalb sicher mühsam”. Im Gegenteil! Ich bin wieder auf den Geschmack gekommen, vor allem war jetzt die Lust zum Experimentieren da… Ich sehe hier Parallelen zum Aktzeichnen, wo auch schon ein Motiv vorhanden ist und man sehr frei arbeiten kann! Es gibt nicht die große Hemmschwelle, etwas aus dem Nichts zu erschaffen.

Es soll also bald weitergehen mit der nächsten Folge. Ich möchte jetzt kein Zeitfenster ausplaudern, dass ich dann erst recht nicht einhalte, aber ich weiß genau, dass ich jetzt die Eigendynamik weiter nutzen kann. Das ist auf jeden Fall leichter, als nach einer Pause wieder ganz neu anzufangen.


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